Forschung kostet bekanntlich Geld. Aber nicht jedes Forschungsprojekt amortisiert sich und hält dem Kommerzialisierungsdruck stand. Deshalb unterstützt die Lungenliga Schweiz auch kleine, medizinische Forschungsprojekte im Bereich Lungenkrankheiten. Ein Ad-hoc-Kommitee der Schweizerischen Gesellschaft für Pneumologie wählt förderungswürdige Projekte aus und stellt damit sicher, dass in der Schweiz weiterhin medizinische Forschung auf hohem Niveau betrieben werden kann.
CHF 80’000 für neue Projekte
Zwei der elf im Jahr 2006 eingereichten Projekte wurden als förderungswürdig bewertet. Dr. Silvia Ulrich an der Klinik für Pneumologie des Universitätsspitals Zürich befasst sich mit einer Krankheit, die häufiger ist, als man bisher angenommen hat: pulmonale Hypertension. Dieser Überdruck in den Blutgefässen, die die Lunge versorgen, kann derzeit nur durch Ultraschall diagnostiziert werden. Wegen der unspezifischen Symptome (Müdigkeit, Atemnot bei Anstrengung) wird die Krankheit oft erst nach mehreren Jahren erkannt. Die Gruppe um Dr. Ulrich untersuchte ein weiteres mögliches Symptom: die periodische Atmung. Diese Unregelmässigkeit in der Atmungskontrolle äussert sich durch abwechselnde Hyper- und Hypoventilation. Dr. Ulrich möchte bei 60 Patienten das plötzliche Auftreten der periodischen Atmung durch eine Schlafüberwachung nachweisen. Sollte sich die Hypothese bestätigen, werden die Autoren prüfen, wie sich dies auf die Prognose auswirkt und ob sich eine Behandlung rechtfertigen lässt.
Im zweiten Projekt geht es um bronchiales Asthma bei Kleinkindern. Heute bleibt die Diagnose – anhand wenig verlässlicher klinischer Anzeichen – meist den Kinderärzten überlassen. Dr. Claudia Kuhn von der Universität Bern interessiert sich für die Atmungssymptomatik bei Kleinkindern mit pfeifender Atmung. Ihr Team schlägt vor, zwei Gruppen von erkrankten Kindern (insgesamt fast 9000) in England und Bern mit neuen statistischen Mitteln zu studieren. Nach der Analyse der Symptome, der standardisierten klinischen Anzeichen und der Entwicklung über mehrere Jahre wollen die Autoren ein diagnostisches Gitter für die klinischen Kinderärzte erstellen, das die heutigen Unsicherheiten behebt.
Erfreuliche Ergebnisse
Forscher, die Gelder von der Lungenliga erhalten haben, müssen nach Projektende einen detaillierten wissenschaftlichen Bericht und die zum Projekt gehörenden publizierten Artikel einreichen. Im vergangenen Jahr gab es folgende wichtige Ergebnisse:
Zuviel Sauerstoff schadet
Sauerstoff ist lebensnotwendig. Bei manchen Erkrankungen muss die Atemluft mit Sauerstoff angereichert werden. Aber eine längere Inhalation von reinem Sauerstoff kann für die Lungen tödlich sein. Kinderärzte erleben dies, wenn sie Frühgeburten mit unausgereiften Lungen mit hohen Sauerstoffkonzentrationen versorgen. Dr. Alessandra Pagano hat die biologischen Mechanismen dieser Toxizität an Zellkulturen und Mäusen untersucht. Ein an der Zellenreparatur beteiligtes Enzym scheint dabei eine regulative Schlüsselrolle zu spielen.*)
Bronchoskopie für die Diagnose von Lungenentzündung bei geschwächtem Immunsystem
Menschen mit geschwächtem Immunsystem leiden häufig unter Infektionen. Besonders Lungeninfektionen haben schwerwiegende Folgen. Dr. Ladina Joos aus Basel hat die Informationen über mehr als 1000 solcher Komplikationen analysiert. In allen Fällen wurde die Diagnose durch eine Sekretentnahme in situ mit Bronchoskopie gestellt. Ein Drittel der Infektionen waren bakteriell, die andern viral oder mykologisch.*)
Diagnose von Tuberkulose
Zwar sinkt die Zahl der neuen Fälle von Tuberkulose in der Schweiz (s. S. 00), doch gibt es weiterhin Gruppen mit erhöhtem Risiko, z. B. Migranten. Dr. Otto Schoch aus St. Gallen hat gezeigt, dass das Röntgen-Thoraxbild und die klinischen Symptome für eine Diagnose nicht ausreichen. Im Verdachtsfall muss immer nach Bakterien im Auswurf oder mittels Bronchoskopie gesucht werden.*)
Lungenfibrose
Lungenfibrose ist eine seltene Krankheit, für die es noch keine wirksame Behandlung gibt. Um Behandlungsmethoden zu entwickeln, muss man die Mechanismen, die den irreversiblen Befall des Lungengewebes auslösen, besser kennen lernen. Dr. Katrin Hostettler aus Basel hat in Invitrountersuchungen ein Molekül identifiziert, das die Zellen, die für die Lungenfibrose verantwortlich sind, an der Vermehrung hindert. Es kann sein, dass dieser natürliche Schutzmechanismus bei Betroffenen beeinträchtigt ist.*)