Es macht Freude, mit einem Vorstand zusammenzuarbeiten, der engagiert die aktuellen Probleme anpackt und zielgerichtet Lösungen sucht. Mein zweites Präsidialjahr war gekennzeichnet durch eine grosse Menge wichtiger standespolitischer Fragen und vor allem Fragen über die Zukunft der Weiterbildung. Es scheint nicht selbstverständlich zu sein, dass wir in der Schweiz in einigen Jahren genügend Pneumologinnen und Pneumologen in allen relevanten Bereichen zur Verfügung haben werden. Insbesondere die Pneumologen in der Praxis haben schon heute Mühe, geeignete Nachfolger zu finden. Aber auch im universitären Bereich zeichnet sich ein Mangel an qualifizierten jungen Pneumologinnen und Pneumologen ab, die Freude und Engagement mitbringen, eine universitäre Laufbahn einzuschlagen. Dies sind nur einige unserer grossen Sorgen für die Zukunft.
Die Beziehungen zur Schweizerischen Föderation der Spezialitäten in der Medizin, die unsere Gesellschaft in der FMH vertritt, sind gut und unbelastet. Auch wenn die SGP nicht mit einem Delegierten in der Delegiertenversammlung vertreten ist, werden unsere Anliegen von der SFSM nachhaltig vertreten.
Die Vertretung in der Ärztekammer wird durch den Präsidenten der SGP selbst wahrgenommen. Mein Eindruck ist der, dass die Ärztekammer immer mehr einem Parlamentsbetrieb ähnlich wird mit Lobbying, Zweckbündnissen unterschiedlichster Interessengruppen und kurzfristigen Absprachen, so dass es für uns Fachgesellschaften, die wir meist nur durch einen Vertreter repräsentiert sind, schwierig wird, durch den Politdschungel hindurchzublicken. So kommt es immer wieder vor, dass ein aus langer Hand vorbereitetes Geschäft durch Interessengruppen kurzfristig torpediert wird, was die Arbeit auch nicht gerade erleichtert.
Das Forum of the European Respiratory Societies, eine Institution der ERS, gibt interessante Gelegenheiten, europäische Kollegen und Kolleginnen zu treffen und einen fruchtbaren Gedankenaustausch zu pflegen. Dieses Jahr hatte der Schweizer Vertreter sogar Gelegenheit, das Europäische Parlament zu besuchen. Als Schweizer ist man danach nicht so unglücklich, zurzeit noch nicht auf die Brüsseler Bürokratie angewiesen zu sein, obwohl der Einblick in diese Organisation sehr interessant und lehrreich war. Wir können uns etwa vorstellen, was für zusätzliche Auflagen noch auf uns zukommen könnten wenn…
Die Zusammenarbeit mit der Lungenliga Schweiz erwies sich ein weiteres Mal als sehr gut und zum Vorteil beider Organisationen. Sehr erfreulich sind die Aussichten, aufgrund der umfassenden Abklärungen durch die entsprechende Kommission unter der Leitung von Andreas Knoblauch in Bälde die Zusammenarbeit mit der Lungenliga Schweiz bezüglich der Forschungsgelder auf eine neue Basis stellen zu können. Ziel ist es, die Forschungstätigkeit zu intensivieren, in dem die SGP gezielter mehr Geld zur Verfügung gestellt bekommt, anderseits aber die Forschungstätigkeit der SGP durch die Lungenliga auch publik gemacht werden kann, um so wieder mehr Spendengelder zu erhalten. Es soll sich hier eine klare Win-Win Situation ergeben.
Die Sammlungstätigkeit wurde in Rekordzeit abgeschlossen und die Unterschriften können im Mai bei der Bundeskanzlei eingereicht werden. Das Initiativkomitee rechnet fest mit der Unterstützung aller Penumologinnen und Pneumologen im Abstimmungskampf.
Eine sehr grosse Arbeit wurde durch die Kommission Weiterbildung geleistet. Das neue Curriculum oder Weiterbildungskonzept und das Logbuch für Ärztinnen und Ärzte in Weiterbildung wurde geschaffen. Es wurde vom Vorstand in zwei Lesungen verabschiedet und durch die FMH verbindlich erklärt.
Durch zwei Initiativen aus dem Vorstand wird versucht, das Weiterbildungskonzept noch attraktiver zu machen. So soll die Kandidatin/der Kandidat verpflichtet werden, mindestens einmal ihren/seinen Weiterbildungsort zu wechseln, was zu einer Erweiterung des Horizontes und zum besseren Kennenlernen der spezifischen Probleme an Universitäten, grossen und mittleren Spitälern sowie Rehabilitationskliniken führen wird. Parallel dazu sollen aber auch jene Kandidatinnen und Kandidaten gefördert werden, die sich für die Forschungstätigkeit entschliessen, in dem ein ganzes Jahr Forschung als Weiterbildung anerkannt werden wird. Die beiden Anträge liegen der Mitgliederversammlung zur Genehmigung vor.
Während sich im Tarmed Bereich nicht viel getan hat, ist das Problem der DRGs sehr aktuell. Es wird auch aktuell bleiben bis zur Einführung dieser Fallpauschalen, die hauptsächlich unsere Kolleginnen und Kollegen treffen werden, die an Spitälern arbeiten und für die stationären Patientinnen und Patienten nicht nach Tarmed abrechnen können. Nachdem schon 2008 in einer Marathonübung über 50 Positionen aus dem Gebiete der Pneumologie beschrieben und begründet wurden, musste die Arbeit wegen Überlastung der diese Positionen verarbeitenden Gremien im Jahre 2009 nochmals erneuert und ergänzt werden. Über die Auswirkungen der DRGs auf die Akutspitäler, aber auch auf die nachbehandelnden Institutionen (Rehabilitation, ambulante Dienste) ist sich heute noch niemand im Klaren.
Die pulmonale Rehabilitation wurde durch den Ausbau der internationalen Beziehungen, hauptsächlich mit Österreich und Deutschland (D-A-CH. Deutschland- Österreich- Schweiz) aufgewertet. Ein jährliches Dreiländertreffen bringt die rehabilitativ tätigen Pneumologen dieser Länder regelmässig zu einem Gedankenaustausch zusammen.
Die Kommission Jahrestagung wird jedes Jahr durch das lokale Organisationskomitee des jeweiligen Tagungsortes ergänzt. Ich meine, dass diesem Gremium für den sowohl wissenschaftlich wie finanziell erfolgreichen Kongress 2009 in Davos herzlich gedankt werden soll.
Zu erwähnen ist der Wechsel im Präsidium einer sehr arbeitsreichen Gruppe, der AG für mechanische Heimventilation. Nach jahrelanger erfolgreicher Tätigkeit hat Markus Solèr, Basel, das Präsidium an Franz Michel, Nottwil übergeben.
Erfreulicherweise hat auch die AG "Zukunft Pneumologie" unter der Leitung von Martin Brutsche ihre Arbeit wieder aufgenommen. Erste Resultate dieser Arbeit werden an der Mitgliederversammlung präsentiert werden.
Das europäische Facharztexamen ist eine Erfolgsgeschichte. Die Vertragserneuerung mit der ERS über die weitere Verwendung der Schweizer Fragen wurde kürzlich unterzeichnet. So werden auch weiterhin die in der Schweiz entwickelten Prüfungsfragen für alle europäischen Kandidaten eingesetzt. Der entsprechenden Kommission unter der Leitung von Konrad Bloch, Zürich sei an dieser Stelle nochmals für ihre ausgezeichnete Arbeit gedankt.
Die Mitgliederzahlen der SGP erhöhte sich erfreulicherweise dieses Jahr um 13 junge Kolleginnen und Kollegen. Den Neumitgliedern entbieten wir herzlichen Willkomm in unserer Gesellschaft und hoffen auf eine engagierte Mitarbeit in Arbeitsgruppen und Kommissionen.
Der Vorstand hat beschlossen, dieses Jahr der Mitgliederversammlung zwei neue Ehrenmitglieder vorzuschlagen. Es handelt sich um Prof. Ewald Weibel, Bern und um Prof. Philippe Leuenberger, Lausanne. Beides sind hochverdiente Wissenschafter, die für die Pneumologie auf verschiedenen Gebieten Grosses geleistet haben.
Mein Dank geht an meine Kolleginnen und Kollegen im Vorstand, die mir mit ihrem Engagement die Arbeit wesentlich erleichtert haben. In den Dank einschliessen möchte ich aber auch alle Präsidentinnen und Präsidenten der Kommissionen und Arbeitsgruppen sowie deren Mitglieder. Ohne diese vielen Stunden an freiwilliger Arbeit wäre die effiziente Führung der SGP unmöglich. Mein Dank gebührt auch unserer Sekretärin, Frau Esther Frey, die einerseits das gute Gedächtnis der SGP darstellt, aber anderseits zum Gelingen der Arbeit unersetzliche Dienste leistet.
Crans-Montana, Anfangs April 2010
Dr. med. Werner Karrer
Präsident SGP